
Hoch oben im alten Kirschbaum saß die kleine Tilda Taube.
Sie zitterte ein bisschen – nicht vor Kälte,
sondern weil sie so aufgeregt war.
Heute wollten alle Waldtiere den Winterchor proben.
Doch Tilda war traurig,
denn sie fand ihre Stimme
so kratzig wie ein altes Gartentor.
„Ich werde wieder alles verderben …“,
seufzte sie
und steckte ihren Schnabel tief ins weiche Gefieder.
In diesem Moment bewegte sich etwas über ihr.
Ein kleines Glöckchen baumelte am Zweig
und machte ein leises:
kling … kling …
Tilda hob den Kopf.
„Hallo? Wer ist da?“
Da erschien ein winziges, warmes Licht.
Es tanzte in der Luft,
schwebte im Kreis
und landete sanft direkt vor Tildas Füßen.
Vor ihr stand ein mini-kleines Wesen,
kaum größer als eine Schneeflocke.
„Ich bin Lumi, die Weihnachtsfunkenfee!“, sagte es mit einer Stimme, die so hell klang wie ein Stern.
„Und ich glaube“, fügte Lumi hinzu,
„du brauchst heute ein bisschen Mut.“
Tilda flatterte nervös mit den Flügeln.
„Aber … ich singe nicht schön.“
Lumi dachte kurz nach,
lächelte warm
und tippte Tilda ganz zart
mit ihrem winzigen Zauberstab auf den Schnabel.
„Versuch es einfach noch einmal“,
flüsterte sie.
Tilda schluckte.
Holte tief Luft.
Und sang.
Und plötzlich klang ihre Stimme
warm und weich,
ein bisschen glitzernd,
wie Schneeflocken,
die im Mondlicht tanzen.
Tilda riss die Augen auf.
„Ich … ich KANN ja singen!“
Lumi nickte fröhlich.
„Weil du dich getraut hast.
Nicht wegen mir.“
Als der Winterchor begann, hörten alle Tiere gebannt zu:
die Maus, der Hase,
der Elefant, der Frosch,
das Lama –
alle hielten den Atem an.
Und Tilda sang ihr allererstes Weihnachtslied.
Ihre Stimme war so klar und freundlich, dass sogar der Wind für einen kleinen Moment stehen blieb.
Nach dem letzten Ton landete Lumi auf Tildas Kopf und flüsterte:
„Siehst du?
Manchmal braucht es nur ein winziges Wunder, damit jemand groß wird.“
Und Tilda strahlte – heller als jeder Stern über dem Winterwald. ✨🐦🎄
Ende.
