Der Lupfwupf am Blütenhügel

An einem warmen Sommerabend lag der Blütenhügel ganz weich im goldenen Licht. Die Gräser kitzelten an den Pfoten, der Honigbach plätscherte leise in der Ferne, und über den Blumen summte Hanni Hummel: „Summ, summ, heute ist ein schöner Tag.“
Mimi Maus hatte zwischen den Gänseblümchen etwas Buntes entdeckt. Rot, rund und ein bisschen wackelig lag es dort im Gras.
„Ein Lupfwupf!“, rief ein kleiner Besucher fröhlich. Er war neu im Wunderwald und hieß Juli Käferchen. Er zeigte mit beiden kleinen Füßchen auf das bunte Ding. „Lupfwupf! Lupfwupf!“
Balduin Biber legte den Kopf schief. „Ein Wupp? Soll ich einen bauen? Ich kann einen Wupp bauen. Vielleicht mit Dach.“
„Nein, nein“, sagte Juli Käferchen und hüpfte aufgeregt. „Lupfwupf!“
Leni Lama machte große Augen. „Vielleicht ist es ein Tanz? Lupf-wupf, lupf-wupf!“ Sie wackelte mit dem Po. Plumps, fiel sie fast in ein Kleefeld. Alle kicherten.
Aber Juli Käferchen wurde still. Seine kleinen Fühler sanken ein bisschen nach unten. „Lupfwupf“, sagte er leiser.
Da setzte sich Paula Panda neben ihn ins Gras. „Du meinst etwas Wichtiges, stimmt’s?“
Juli Käferchen nickte.
Oskar Eule flatterte vom alten Apfelbaum herab. „Dann hören wir noch einmal gut zu“, sagte er ruhig. „Manchmal ist ein neues Wort wie ein kleines Geschenk. Man muss es nur auspacken.“
Also schauten alle genau hin.
Das bunte runde Ding bewegte sich im Sommerwind. Erst wackelte es. Dann machte es: flupp. Dann: schwupp. Und plötzlich hob es sich ein kleines Stück vom Gras.
Mimi Maus piepste: „Oh! Es lupft sich hoch!“
Hanni Hummel summte: „Und dann macht es wupf!“
„Lupf… wupf…“, sagte Balduin Biber langsam.
Da rief Leni Lama: „Ein Lupfwupf! Natürlich!“
Juli Käferchen strahlte über das ganze Gesicht. „Ja! Lupfwupf!“
Nun verstanden es alle. Es war ein Luftballon. Aber „Luftballon“ klang auf einmal viel zu gewöhnlich.
Balduin Biber holte noch drei bunte Ballone aus seinem Bauwagen. Einen gelben, einen blauen und einen grünen. Sie schwebten über dem Blütenhügel und machten im Wind: wusch, flupp, schwupp.
„Unsere Lupfwupfs!“, rief Hanni Hummel.
Paula Panda band die Schnüre sanft an einen Ast, damit sie nicht davonflogen. Mimi Maus zählte sie: „Eins, zwei, drei, vier Lupfwupfs.“
Und Leni Lama flüsterte feierlich: „Ab heute heißen sie bei uns immer so.“
Da lachten alle. Nicht laut und wild, sondern warm und froh. Sogar Oskar Eule kicherte ein kleines Eulenkichern.
Als die Sonne hinter den Bäumen verschwand, schimmerten die Lupfwupfs wie kleine Monde in Rot, Gelb, Blau und Grün.
Juli Käferchen kuschelte sich zufrieden ins weiche Gras.
Und im Wunderwald wusste nun jedes Tier: Wenn jemand ein neues Wort mitbringt, dann hört man ganz genau hin. Denn vielleicht ist es das schönste Wort der Welt.
„Gute Nacht, kleine Lupfwupfs“, flüsterte Oskar Eule.
Und der Sommerwind antwortete leise: flupp… schwupp… wupf.