Balduin Biber und der verschwundene Christbaum


Im verschneiten Winterwald war die Aufregung groß: Heute wollten alle Tiere den großen Wald-Weihnachtsbaum schmücken! Oskar Eule flatterte hin und her, Tilda Taube sortierte glitzernde Federgirlanden – und alle warteten auf Balduin Biber, der den schönsten Baum aus dem Tannental holen sollte.

Doch Balduin kam nicht. Und der Baum auch nicht.

Gerade als Oskar losfliegen wollte, hörte man ein seltsames „SCHLUUURP… klonk… SCHLUUURP… platsch!“ Aus einem verschneiten Gebüsch stolperte Balduin hervor – völlig eingewickelt in Lichterketten, Zapfen und einem Tannenzweig, der ihm wie ein Schnurrbart im Gesicht hing.

„Balduin!“, rief Tilda. „Was ist denn passiert?“
Balduin seufzte tief. „Ich wollte den Baum holen… aber ich hab eine kleine Abkürzung genommen.“
Oskar klappte überrascht die Flügel hoch. „Und wo ist der Baum?“

Balduin drehte sich um – und hinter ihm zog sich ein langer, glitzernder Eisschlitten den Hügel hinunter. Darauf lag der Baum… quer und völlig verheddert. Und er rutschte immer schneller in Richtung zugefrorenen Waldteich.

„Oh nein!“, rief Tilda. Alle Tiere liefen los. Balduin brüllte: „Bremsen! Wir brauchen Bremsen!“
Oskar flog voraus. „Tilda! Die Federgirlanden!“

Tilda verstand sofort. Sie breitete ihre Flügel, ließ die langen Girlanden im Wind flattern – und sie wirkten wie ein riesiger Fallschirm.
Whooosh–schrrrrrk!
Der Schlitten stoppte. Der Baum wackelte. Balduin wackelte mit. Dann lachte er erleichtert: „Gerettet!“

Als sich alle wieder versammelten, mussten sie schmunzeln. Der Baum war schief, ein bisschen schrammig und oben steckte ein einzelner Zapfen fest – aber irgendwie sah er genau richtig aus.
„Der schönste Baum ist der, der eine Geschichte hat“, sagte Tilda weich.

So wurde Balduins „Schlitterbaum“ der Mittelpunkt des Winterwaldes. Die Tiere schmückten ihn mit funkelnden Lichtern, goldenen Nüssen und Federglitzer. Und jedes Mal, wenn sie um den Baum standen, kicherten sie leise – denn sie dachten an Balduins chaotische Schlittenfahrt.

Es wurde ein Weihnachtsfest voller Lachen. Und Balduin bekam einen neuen Spitznamen: der rasende Weihnachtsbiber.


Ende.