Kindergeschichten

Der kleine Mautat vom Sternensee

An einem warmen Sommerabend lag der Sternensee still und glitzernd im Wunderwald. Das Wasser schimmerte golden, und ein kleines Boot aus Rinde schaukelte sanft am Ufer. Balduin Biber hatte es gebaut. „Heute machen wir eine Abendfahrt“, sagte er stolz und strich über das Holz.

Mit dabei waren Mimi Maus, Hanni Hummel und Oskar Eule. Gerade als Balduin Biber das Boot losschieben wollte, machte es plötzlich aus dem Inneren: klopf, klopf … rumpel … plitsch.

Alle hielten still.

„Hast du das gehört?“, flüsterte Mimi Maus und zog die Schnurrhaare ein wenig ein.

Wieder: klopf, klopf … rumpel.

Hanni Hummel summte mutig ein kleines Brumm-summ. „Vielleicht ist da jemand im Boot.“

Balduin Biber blinzelte. „Aber ich habe doch alles selbst gebaut.“

Da hob Oskar Eule ruhig den Kopf. „Im Wunderwald“, sagte er sanft, „gibt es manchmal kleine Geheimnisse auf dem Wasser.“

Noch einmal klopfte es. Dann lugte unter einer Bank im Boot etwas Winziges hervor: eine runde Nase, zwei freundliche Augen und eine Mütze aus Seemoos.

„Oh!“, piepste Mimi Maus.

Das kleine Wesen kletterte heraus, verbeugte sich und sagte: „Ich bin der Mautat.“

„Der Mautat?“, fragte Hanni Hummel.

„Manche sagen Klabautermann“, erklärte das Wesen. „Aber Mautat klingt viel kuscheliger. Ich wohne auf kleinen Booten, klopfe ein bisschen, rumpel ein bisschen und passe auf, dass auf dem Wasser alles gutgeht.“

Balduin Biber staunte. „Dann warst du in meinem Boot?“

Der Mautat nickte eifrig. „Ja. Ich wollte euch nicht erschrecken. Ich wollte euch nur sagen, dass unten ein Brettchen wackelt. Wenn ihr losfahrt, macht es sonst plumps.“

Sofort kniete sich Balduin Biber hin. Und wirklich: Ein kleines Brettchen saß locker. „Du hast recht!“, sagte er.

Also halfen alle zusammen. Mimi Maus brachte einen dünnen Zweig. Hanni Hummel summte Mut dazu. Balduin Biber klopf-klopf-klopf das Brettchen fest. Und der Mautat wippte zufrieden mit den Füßchen.

Bald war das Boot fertig. Nun glitt es ganz sanft über den See. Vorne saß der Mautat, klein und stolz, und hielt sich an der Bootsspitze fest. Das Wasser machte leise plitsch, platsch. Die Abendluft war weich und warm.

„Du bist ja gar nicht unheimlich“, sagte Mimi Maus.

Der Mautat lächelte. „Nein. Ich bin nur ein kleiner Aufpasser mit Klopfgeräuschen.“

Als die Sonne hinter den Bäumen verschwand, legte das Boot wieder am Ufer an. Oskar Eule sagte leise: „Manchmal klingt etwas erst fremd. Und dann wird es ein Freund.“

Der Mautat kuschelte sich in das kleine Boot, zog seine Seemoosmütze tief ins Gesicht und murmelte: „Gute Nacht, Sternensee.“

Und im Wunderwald wurde es ganz still.