Juli Käferchen und die Reise ins Träumeland

An einem warmen Sommertag lag das kleine Fieberwald-Krankenhaus ganz ruhig am Rand des Wunderwaldes. Es war ein freundliches Häuschen mit hellen Fenstern, weichen Betten und Vorhängen, die im Wind leise wusch machten.
Dorthin kam Juli Käferchen. Heute war ein besonderer Tag. Ein Tag, an dem vieles neu war. Die großen Türen. Die weißen Kissen. Die lieben Schwestern mit ihren leisen Schritten. Und natürlich das kleine Bett auf Rollen, das ganz sanft quietschte.
„Ich glaube, das Bett kann singen“, flüsterte Juli Käferchen.
Leni Lama, die zu Besuch gekommen war, machte große Augen. „Quiiiietsch, quiiiietsch, das ist bestimmt ein Krankenhaus-Lied!“
Da musste Juli Käferchen schmunzeln.
Aber ein bisschen komisch fühlte es sich trotzdem an. In ihrem Bauch kribbelte es wie hundert winzige Käferfüßchen.
Paula Panda setzte sich neben sie und sagte leise: „Manchmal ist etwas neu und trotzdem gut. Du musst nicht mutig aussehen. Es reicht, wenn du einfach du bist.“
Dann kam Schwester Tilda Taube herein. Sie hatte eine warme Stimme und sagte: „Kleine Juli, jetzt machen wir eine Reise ins Träumeland. Dort gibt es weiche Wolken, Honigduft und ganz viele Kuschelkissen.“
„Ins Träumeland?“, fragte Juli Käferchen.
„Mhm“, sagte Oskar Eule, der am Fenster saß. „Das ist ein Ort, an dem die Augen schwer werden und die Gedanken auf Moos schlafen.“
Da gähnte Juli Käferchen einmal. Dann noch einmal. Huuuui. Ihre Flügel wurden ruhig. Ihre Augen wurden klein. Und schwupp, schlief sie ein.
Im Träumeland flog sie über den Sternensee, vorbei am Blütenhügel, bis zu einer Wolke aus Vanilleduft. Dort sang ein Sonnenstrahl ganz leise: „Summ, summ, alles wird gut.“
Als Juli Käferchen wieder aufwachte, war der nächste Tag schon da. Die Sonne malte goldene Flecken auf ihre Decke. Mama und Papa waren da. Paula Panda lächelte. Und Oskar Eule nickte zufrieden.
„Meine Mandeln sind weg?“, fragte Juli Käferchen.
„Ja“, sagte Schwester Tilda Taube. „Und weißt du, was jetzt kommt?“
Juli Käferchen blinzelte.
„Eis.“
Da wurden ihre Augen groß. „Wie viel Eis?“
Schwester Tilda Taube lachte. „So viel, wie für kleine Käferchen gut ist.“
Und so bekam Juli Käferchen Himbeereis. Dann Vanilleeis. Dann ein klitzekleines bisschen Waldbeereneis. Es machte schleck, schleck, schmatz und ihre Laune wurde mit jedem Löffel runder.
Am Morgen trippelte sie sogar selbst zu den Schwestern. „Frühstück?“, fragte sie mit ihrer süßesten Käferchen-Stimme.
Alle Schwestern lachten liebevoll. „Na, da kommt ja unser kleiner Star!“
Juli Käferchen schmunzelte. Ganz klein. Ganz stolz.
Später kuschelte sie sich in ihr Bett. Draußen summte der Sommerwind durch die Bäume. Mama strich ihr über den Kopf, Papa hielt ihre Hand, und Oskar Eule flüsterte:
„Manchmal beginnt ein Tag mit Kribbeln im Bauch. Und manchmal endet er mit Eis, Lächeln und ganz viel Liebe.“
Juli Käferchen gähnte.
„Dann war das Träumeland gar nicht schlimm“, murmelte sie.
„Nein“, sagte Paula Panda sanft. „Es war nur neu.“
Und während der Wunderwald leise raschelte, schlief Juli Käferchen friedlich ein. Mit Vanilleduft im Schnäbelchen, warmem Herzen und einem kleinen, mutigen Lächeln.